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Anleitung zum Investieren
(kostenpflichtig)

<PORTFOLIOS <GEWICHTUNG (Forts.)

DAS MENSCHENPORTFOLIO

Wirtschaft beruht auf Menschen. Das ,Menschenportfolio' geht davon aus, daß Menschen den Anteil einer Region am Weltportfolio haben sollten. 2005 lebten auf der Erde etwa 6,4 Billion Menschen. China und Indien sind mit 1,3 und 1,1 Milliarde Menschen bei weitem die bevölkerungsreichsten Staaten. Beide Länder zusammen machen fast 40% der Weltbevölkerung aus. Die Europäische Union hatte 2005 etwa 311 Millionen, die USA 296 Millionen, Indonesien 221 und Brasilien 186. Wenn wir uns als Investoren beispielsweise entscheiden, in die zehn bevölkerungs-reichsten Länder zu investieren, könnten wir etwa 34 % in China investieren, 28% in Indien, 8 % in der Europäischen Währungsunion und in den USA und 6% in Indonesien. Wenn wir die Top 10 und den Rest in im 'Menschenportfolio' abbilden wollen, investieren wir noch zusätzlcih in Brasilien, Pakistan, Rußland, Bangladesch und Nigeria.

Ein solches ,Menschenp ortfolio ' geht allerdings davon aus, dass Reichtum und Kapital -zumindest potenziell- gerecht verteilt sind. Dazu kommen die Schwierigkeiten in der Praxis in restriktive und teilweise illiquide Märkte wie Indien, Pakistan, Rußland, Nigeria oder Bangladesch zu investieren. Wirtschaftlich wichtige Länder - wie etwa Japan - wären überhaupt nicht berücksichtigt : Japan etwa steht mit 128 Millionen Menschen an nur 11. Stelle .

DAS KAPITALPORTFOLIO

Da investieren mit Kapital zu tun hat, macht es auch Sinn, Kapital als Leitfaden für ein perfektes Portfolios zu wählen. Kapital hat drei verschiedene Bedeutungskreise: Das Finanzkapital im engen Sinne bildet das Kapital ab, das in Wertpapieren jeglicher Art gebunden ist. Etwas weitergehend wäre das Einbeziehen des Realkapital, also von Grundstücken, Immobilien, Wertmetallen, usw. Schätzungen gehen davon aus, daß alle Grundstücke und Immobilien dieser Welt etwas mehr Wert sind als das gesamte Finanzkapital. Der breiteste Begriff von Kapital ist allerdings das Humankapital , die Gesamtheit aller Ideen und Informationen. Eine etwas betagte Studie aus den 60er Jahren berechnete, daß alles Einkommen dieser Welt - also der Lohn, der für Humankapital bezahlt wird - etwa 80% des Welteinkommens ausmacht.

Wählen wir das Finanzkapital als Richtschnur für unser Portfolio, befinden wir uns im Einklang mit den meisten Wertpapierindizes. Indizes gewichten meist auf Grundlage der Marktkapitalisierung von Aktien. Für unseren Zweck könnten wir die Marktkapitalisierung aller existierender Aktien an den nationalen Börsen betrachten. Nach Daten von 2000 ist die Marktkapitalisierung an den Börsen Europas, Afrikas und des Nahen Ostens mit 29% am höchsten, gefolgt von der New Yorker Börse NYSE mit 27%, der NASDAQ mit 15%, Asien ohne Tokio mit 13% und der Börse Tokio mit 11%. Dahinter folgen abgeschlagen die übrigen Börsen Nordamerikas und Südamerikas.

Diese Daten müssen wir auf einzelne Länder umrechnen: Wegen der starken Stellung der US-amerikanischen Börsen NYSE and NASDAQ dominieren die USA dabei mit überwältigenden 67%. Dahinter liegen abgeschlagen Europa, Afrika und der Nahe Osten mit 29%, Asien ohne Japan mit 13%, Japan mit 11% und Südamerika mit winzigen 2%.

DAS EINKOMMENSPORTFOLIO

Eine andere Möglichkeit, die Welt abzubilden, ist eine Gewichtung nach Einkommen. Damit reflektieren wir die Tatsache, daß produktivere Länder auch mehr Anteil an unserem Portfolio haben sollten. Nehmen wir das reine Bruttoinlandsprodukt als Leitwert für unser ,Einkommensportfolio', ergibt sich folgendes Bild: Die USA führt mit einem jährlichen Bruttonationalprodukt von 12.455 Milliarden USD, was - wenn wir die Top 10 abbilden wollen- zu einem Anteil von etwa 35% führt. Die Eurozone sollte mit 28% in das Portfolio einfließen, Japan mit 13%, China und Großbritanien mit jeweils 6%. Dazu kämen noch Kanada, Brasilien, Südkorea, Indien und Mexiko mit weniger als jeweils 5% Anteil am Portfolio.

Dieser Ansatz macht intiutiv Sinn, hat aber zwei Schwächen: Erstens wird hier auf Grundlage des US-Dollars gerechnet. Eine Anpassung an den Euro wäre für europäische Investoren wünschenswert. Zweitens sind die Landesanteile nicht stabil, sondern verschieben sich ständig. Je nach dem Zeithorizont von 10, 20 oder 30 Jahren, sollte der Landesanteil über die durchschnittlichen Wachstumsraten hochgerechnet werden.

FAZIT

Welches Portfolio ist nun das ,perfekte' Portfolio? Ich würde vor allem auf das Einkommensportfolio setzten. Das macht theoretisch Sinn, weil dieses Portfolio die realen Einkommensverhältnisse nachbildet. Es macht auch praktisch Sinn, da es mit etwa 35% USD, 28% Eurozone, 13% Japan, 6% China und Großbritanien mit einem Schuß Exotik (Kanada, Brasilien, Südkorea, Indien und Mexiko) äußerst ausgewogen ist. Natürlich muß dieses Portfolio den eigenen Wünschen und Risikoanforderungen angepaßt werden. So kann durchaus der Eurozonenanteil erhöht werden, um das Währungsrisiko zu verringern. Südkorea kann beispielsweise durch einen breiteren Asienindex ersetzt werden. Kanada könnte ganz eliminiert werden, da die Korrelation mit dem US-Markt wahrscheinlich sehr hoch sein wird.