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HINTERGRUND:
WAS IST DAS KURS-GEWINN-VERHÄLTNIS?

Die Jahre 2008 und 2009 haben uns vor allem eines wieder kristallklar vor Augen geführt: Ein kluger Anleger sollte niemals versuchen, die Märkte zu ,timen' (=den richtigen Zeitpunk zu erraten). Trotzdem kommen wir als private, langfristige Investoren um ein Timing nicht herum: Wann und wie bauen wir unser Portfolio auf?

KGV als Indikator für Überbewertung

Die einfachste und beste Methode herauszufinden, wie teuer Aktienmärkte sind, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Das sogenannte KGV (im Englischen PER oder P/E genannt: price-earning-ratio ) verkörpert die wichtigste einzelne Kennziffer, die wir für die Aktienbewertung heranziehen können .

Berechnet wird das KGV , indem der derzeitige Börsenkurs durch den Gewinn pro Aktie geteilt wird.

Ein Beispiel: Eine Aktie mit einem derzeitigen Börsenkurs von 50 € und einem Unternehmensgewinn pro Aktie von 5 € hat ein KGV von 10 (50€ dividiert durch 10€). Wächst der Kurs auf 60 € an , wird die Aktie teurer und das KGV erhöht sich auf 12. Steigt der Unternehmensgewinn pro Aktie im nächsten Jahr auf 10 €, fällt das KGV - bei gleich bleibendem Kurs - auf günstige 5.

KGV als Indikator für einen fairen Preis

Das KGV kann aber auch umgekehrt als Maßstab für den "inneren Wert" eines Unternehmens gesehen werden: Der Jahresgewinn pro Aktie dividiert durch den Börsenkurs - also der Kehrwert des KGVs - ergibt die Rendite für jeden investierten Euro in %. Ein KGV von 10 macht damit 10% aus (1 dividiert durch 10 ist 0,10 oder 10%), ein KGV von 15 wirft einen Gewinn von 6,7% ab und ein KGV von 5 ergibt stolze 20% Gewinn pro investiertem Betrag. Ein solches Gewinn-Kurs-Verhältnis ist der Gewinn in %, den das Unternehmen mit jedem investierten Euro macht.

Die gleiche Methode kann zur Abschätzung des fairen Preises eines ganzen Indizes herangezogen werden. Der Vorteil gegenüber KGVs von einzelnen Unternehmen: Da sich in einem Index eine ganze Reihe von Aktien befindet, können wir davon ausgehen, dass sich Fehleinschätzungen oder Falschinformationen über einzelne Aktien zumindest teilweise wieder ausgleichen.

Durchschnitts-KGV liegt bei 15

Generell gilt: Ein KGV von etwa 15 (also 6,6% Rendite) stellt ungefähr den langfristigen historischen Durchschnitt dar. Ein KGV von unter 12 (oder: über 8,3% Rendite) gilt als günstig, während ein KGV von über 15 oder 30 als eindeutig teuer angesehen wird.

Die meisten publizierten Index-KGVs sind nutzlos

Bei den meisten in den Finanzmedien publizierten KGVs von Indizes gibt es allerdings zwei grundsätzliche Probleme:

  • Erstens: Wie berechnen wir das KGV, wenn eines oder mehrere der Unternehmen derzeit keinen Gewinn machen? Beziehen wir die negativen KGVs in den Durchschnitt mit ein? Lassen wir Unternehmen ohne Gewinn einfach bei der Berechnung aus? Manche Indexanbieter (z.B. Stoxx) berechnen beide Arten von KGVs.
  • Zweitens: Ein einigermaßen exaktes KGV (auch bei der Berechnung des Unternehmensgewinnes gibt es Unterschiede in der Methodik) kann immer nur im Nachhinein am Ende eines Jahres ermittelt werden. Interessanter wäre für Investoren allerdings das laufende KGV. Deshalb müssen - wie bei den einzelnen Aktien auch - die notorisch unsicheren Gewinnschätzungen zur Berechnung herangezogen werden. Als eine Möglichkeit dafür würde sich anbieten, Konsensusschätzungen einer Gruppe von Analysten heranzuziehen (die vierteljährlichen Gewinnerwartungen werden in den USA oft nur die number genannt).

Robert Shiller veröffentlicht langfristige KGVs amerikanischer Aktien

Benjamin Graham, einer der größten Investoren aller Zeiten, hat deshalb angeregt, das KGV auf dem durchschnittlichen Gewinn der vergangenen zehn Jahre zu berechnen. Damit sollten viele kurzfristige Schwankungen in den Unternehmen sowie die Konjunkturzyklen bereinigt werden.

Diese für Investoren hoch relevanten Daten werden allerdings kaum veröffentlicht. Mit einer Ausnahme: Prof. Robert Shiller berechnet seit einigen Jahren inflationsangepasste KGVs des amerikanischen Blue-Chip-Index Standard & Poor 500 seit 1881. Diese aktualisiert er ständig und macht sie über seine Webseite frei zugänglich.

 

Fazit

Das langfristige Kurs-Gewinn-Verhältnis stellt keinen perfekten Maßstab dafür dar, wie günstig eine Aktie oder ein Aktienindex ist. Häufig gibt es gute Gründe, warum ein Unternehmen niedrig oder hoch bewertet ist. Aber als generelle Zusammenfassung der Preisniveaus - vor allem wenn wir von KGVs von mehreren Aktien sprechen - ist das über zehn Jahre berechnete KGV als Richtschnur nicht zu schlagen. Es wäre wünschenswert, dass mehr langfristige KGVs von breiteren Indizes und von Indizes außerhalb der USA den Privatinvestoren zugänglich gemacht werden.

 

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