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HINTERGRUND:
WIE SOLLEN WIR ANLAGEKLASSEN GEWICHTEN?

Das Weltportfolio als Konsequenz der Portfoliotheorie

Da Investoren (im Gegensatz zu Spekulanten) nicht versuchen sollten, zukünftige Entwicklungen von Anlageklassen, Sektoren oder einzelnen Aktien oder Anleihen verherzusage, gibt es nur eine Lösung: alles zu besitzen. Steigt der Dollar, sind wir dabei. Steigt Südkorea, sind wir dabei. Steigt die Inflation, sind wir dabei usw. (und ja, natürlich gilt das auch umgekehrt). Ein Weltportfolio ist die logische Konsequenz aus der Einsicht, dass der Wertpapiermarkt nicht vorhersehbar ist.

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Wie verteile ich mein Portfolio, dass es - so gut wie nur möglich - den globalen Markt abbildet?

Dazu gibt es drei Varianten, die Sinn machen:

  • nach Menschen
  • nach Einkommen
  • nach Kapital
   

 

Das "Menschenportfolio "

Wirtschaft beruht auf Menschen. Das ,Menschenportfolio' geht davon aus, dass die Anzahl der Menschen die Aufteilung des Weltportfolios bestimmen sollte.

Auf der Erde leben auf der Erde etwa 6 1/2 Milliarden Menschen. China und Indien sind mit 1,3 und 1,1 Milliarde Menschen bei weitem die bevölkerungsreichsten Staaten. In beiden Ländern zusammen leben fast 40% der Weltbevölkerung. Die Europäische Union hatte 2005 etwa 311 Millionen Einwohner, die USA 296 Millionen, Indonesien 221 und Brasilien 186.

Sollten wir uns als Investoren beispielsweise entscheiden, in die zehn bevölkerungsreichsten Länder zu investieren, könnten wir etwa 34 % in China investieren, 28% in Indien, 8 % in die Europäischen Währungsunion und in dieUSA, und 6% in Indonesien.

Ein solches ,Menschenportfolio' geht allerdings davon aus, dass Reichtum und Kapital - zumindest annähernd - gerecht verteilt sind. Dazu kommen die Schwierigkeiten, in der Praxis in restriktive und teilweise illiquide Märkte wie Indien, Pakistan, Russland, Nigeria oder Bangladesh zu investieren. Wirtschaftlich wichtige Länder - wie etwa Japan - wären überhaupt nicht berücksichtigt: Japan steht mit 128 Millionen Einwohnern an nur elfter Stelle.

   
   

 

Das Kapitalportfolio

Da Investieren mit Kapital zu tun hat, macht es Sinn, das Kapital als Leitfaden für ein Weltportfolio zu wählen. Kapital hat drei verschiedene Bedeutungskreise:

  • Das Finanzkapital im engen Sinne bildet das Kapital ab, das in Wertpapieren jeglicher Art gebunden ist.
  • Etwas weitergehend wäre das Einbeziehen des Realkapitals, also von Grundstücken, Immobilien, Wertmetallen, usw. Schätzungen gehen davon aus, dass alle Grundstücke und Immobilien dieser Welt etwas mehr Wert sind als das gesamte Finanzkapital.
  • Der breiteste Begriff von Kapital ist allerdings das Humankapital, die Gesamtheit aller Ideen und Informationen. Eine etwas betagte Studie aus den 60er Jahren berechnete, dass alles Einkommen dieser Welt - also der Lohn, der für Humankapital bezahlt wird - etwa 80% des Welteinkommens ausmachen würde.

Wählen wir das Finanzkapital als Richtschnur für unser Portfolio, befinden wir uns im Einklang mit den meisten Wertpapierindizes. Indizes gewichten meist auf Grundlage der Marktkapitalisierung von Aktien. Für unseren Zweck könnten wir die Marktkapitalisierung aller existierenden Aktien an den nationalen Börsen betrachten.

Die Marktkapitalisierung ist an den Börsen Europas, Afrikas und des Nahen Ostens mit 29% am höchsten, gefolgt von der New Yorker Börse NYSE mit 27%, der NASDAQ mit 15%, Asien ohne Tokio mit 13% und der Börse Tokio mit 11%.

Diese Daten müssen wir auf einzelne Länder umrechnen: Wegen der starken Stellung der US-amerikanischen Börsen NYSE und NASDAQ dominieren die USA dabei mit überwältigenden 67%. Dahinter liegen abgeschlagen Europa, Afrika und der Nahe Osten mit 29%, Asien ohne Japan mit 13%, Japan mit 11% und Südamerika mit winzigen 2%.

   

 

Das Einkommensportfolio

Eine dritte Möglichkeit, die Welt abzubilden, ist eine Gewichtung nach Einkommen. Damit reflektieren wir die Tatsache, dass produktivere Länder auch mehr Anteil an unserem Portfolio haben sollten.

Nehmen wir das reine Bruttoinlandsprodukt als Leitwert für unser ,Einkommensportfolio', ergibt sich folgendes Bild: Die USA führen mit einem jährlichen Bruttonationalprodukt von 12.455 Milliarden USD, was - wenn wir die Top 10 abbilden wollen- zu einem Anteil von etwa 35% führt. Die Eurozone sollte mit 28% in das Portfolio einfließen, Japan mit 13%, China und Großbritannien mit jeweils 6%.

Dieser Ansatz macht intuitiv Sinn, hat aber zwei Schwächen: Erstens wird hier auf Grundlage des US-Dollars gerechnet. Eine Anpassung an den Euro wäre für europäische Investoren wünschenswert. Zweitens sind die Landesanteile nicht stabil, sondern verschieben sich ständig.

FAZIT

Das Einkommensportfolio erscheint als gute Wahl. Eine Aufteilung nach Einkommen macht theoretisch Sinn, weil dieses Portfolio die realen Einkommensverhältnisse nachbildet. Es macht auch praktisch Sinn, da es mit etwa 35% USD, 28% Eurozone, 13% Japan, 6% China und Großbritannien mit einem Schuss Exotik (Kanada, Brasilien, Südkorea, Indien und Mexiko) äußerst ausgewogen ist.

   

 

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